100 Jahre Dombühl - Rothenburg o. T.

Am 24. Juli 2005 fanden in den Gemeinden entlang der ehemaligen Bahnstrecke Veranstaltungen zur Erinnerung an die "Drei-Täler-Bahn" statt. In Dombühl wurde der neue Triebwagen 642 126-7 auf den Namen "Markt Dombühl" getauft.

Unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der Anwesenheit vieler Honoratioren des Öffentlichen Lebens u. a. des Bundestagsabgeordneten Josef Göppel und Landtagsabgeordenten Klaus-Dieter Breitschwerdt taufte Bürgermeister Auer den neuen Triebwagen auf den Namen "Markt Dombühl".

Bei idealem Wetter feierte die Bevölkerung den Hundertsten Geburtstag der Bahnlinie als gäbe es den "Reichs-Städte-Express" noch. So manche Erinnerungen wurden wachgerufen, als wäre der Abbau der Strecke erst vor kurzem erfolgt.

Mit einem alten Setra-Bus waren die Ehrengäste kurz vor dreiviertel Zehn von Rothenburg in Dombühl angekommen, gleich darauf lief auf Gleis 1 (früher Gleis 2, da auf Gleis 1 sonst die Züge aus Rothenburg ankamen) der Triebwagen 642 126-7 ein.

642er in Dombühl

Setra-Bus in Dombühl

Willy Brandt 1973 in Dombühl

Er war unseren Politikern zweiunddreißig Jahre voraus - der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt im Jahr 1973 bei einem Besuch in Dombühl.

642 126-7 in Dombühl

Das DB-Team welches mit dem modernen Triebwagen nach Dombühl gekommen war

DB-Team des 642 126-7 in dombühl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die im Volksmund als "Drei-Täler-Bahn" bezeichnete Strecke verlässt in Dombühl das Tal der Sulzach und durchquert bei Schillingsfürst das Tal der Wörnitz, nach Überwindung der Frankenhöhe führte die Strecke im oberen Taubertal entlang der Tauber nach Rothenburg o.T.

Am 30. Juni 1900 wurde der Bau der Strecke genehmigt
Oktober 1901: Beginn der Bauarbeiten
31. Juli 1905: Technische Abnahme
1. August 1905: Aufnahme des planmäßigen Betriebes
In den fünfziger Jahren Eilzugverbindung nach München "Reichsstädte-Express"
26. September 1971: Stilllegung des Gesamtverkehrs (Rothenburg o. T. - Dombühl)

Vom Bahnhof Dombühl aus verlief die Bahn entlang der Hauptstrecke nach Stuttgart um nach etwa einem Kilometer in westlicher Richtung abzuzweigen. Nach Überwindung eines kleinen Anstieges wurde bei Mittelstetten das Wörnitztal erreicht. Dort verläuft heute auf einem Teil der einstigen Trasse die Umgehungsstraße von Mittelstetten. Von der heutigen B 25 kann man etwas versteckt den ehemaligen Bahnhof von Wörnitz erkennen. Auf alten Bildern, die während der Veranstaltung im früheren Bahnhof Bockenfeld zu sehen sind, sticht der Bahnhof Wörnitz wegen seiner besonderen Architektur hervor. Mit seinem Erkerturm wirkt er wie ein kleines Schlösschen. Der weitere Verlauf der Bahn ging dann in Richtung Norden, vorbei an Oberwörnitz direkt auf Schillingsfürst zu. Um den Bahnhof möglichst nahe am Ort zu haben, baute man den Schillingsfürster Bahnhof als Spitzkehre, was allerdings für die spätere Verkehrsentwicklung von Nachteil war. Schillingsfürst hatte sich bereits beim Bau der Hauptlinie von Stuttgart nach Nürnberg für eine Linienführung über Schillingsfürst beworben, damals entschied man sich aber zu Gunsten von Dombühl. Auf Schloss Schillingsfürst, Familiensitz des früheren Reichskanzlers Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsfürst, zeigen heute die Falkner der Greifvogelwarte die Kunst der Beizjagd.

Nach dem Umsetzen der Lok im Schillingsfürster Bahnhof, unweit der Wörnitzquelle, führte dann die Bahnlinie parallel zum Dombühler Streckenteil wieder heraus um bei der Schmeermühle in westlicher Richtung abzuzweigen. Nach einem Einschnitt des Höhenzuges der Frankenhöhe wechselte die Strecke auf die Nordflanke der Frankenhöhe um in stetigem Gefälle das Taubertal zu erreichen. In seinem Buch "Ludwigskanal und Eisenbahn - Wege und Irrwege zwischen Main und Donau" beschreibt Manfred Bräunlein, dass hier eine Kanalverbindung zwischen Wörnitz und Tauber im 17. Jahrhundert geplant war. Heute verläuft auf der Bahntrasse ein Radweg, entlang von wildromantischen Schluchten und wer Glück hat kann auch mal einen Feuersalamender zu Gesicht bekommen. Auf halbem Weg wurde die Bundesstraße 25 gekreuzt, welche damals noch die Frankenhöhe in Serpentinen zwischen den Ortschaften Walkersdorf und Oberöstheim überwandt. Nach der Stilllegung der Bahn nutzte man einen Teil der Streckenführung für den Ausbau der Bundesstraße, dadurch verschwand auch die bei den Autofahrern im Winter gefürchtete "Östheimer Steige". Weiter führte die Bahnstrecke nach Westen bis zum Bahnhof Gailnau, welcher der Firma Kibri als Modell für die N-Spur diente. In einem großen Bogen hatte man das Tal der Tauber erreicht, nun zog sich die Strecke in Richtung Norden. Am Haltepunkt Unteröstheim, wo die alte B 25 nochmals überquert wurde, führte die Bahn auf der Westseite der Tauber an den Bahnhöfen Diebach und Bockenfeld vorbei in Richtung Rothenburg. Bei Gebsattel machte der Streckenverlauf nochmals eine Änderung in Richtung Nordosten um dann wiederum in Richtung Nordwesten entlang des AEG-Werks zu schwenken, dadurch konnte man den Höhenunterschied ausgleichen um aus dem Taubertal heraus auf die Anhöhe zum Bahnhof Rothenburg zu gelangen.

Wer auf Spurensuche gehen will, dem sei eine Radtour auf der ehemaligen Bahntrasse zum Jubiläumsfest empfohlen und zur Einkehr auf eine Brotzeit gibts genügend Möglichkeiten, wie z. B. im ehemaligen Bahnhof Bockenfeld, der in seiner Holzbauweise noch heute ein Schmuckstück ist und liebevoll gepflegt wird. Dort findet während des Jubiläums eine Ausstellung statt, wo bisher noch nicht veröffentlichte Bilder und sonstige Bahnutensilien gezeigt werden. Aber auch an anderen Orten wie Diebach, Unteröstheim, Gailnau, Schillingsfürst, Wörnitz und Dombühl entlang der ehemaligen Strecke gibts Interressantes. In Dombühl ist die Taufe eines DB-Triebwagens der Baureihe 642 für den 24. Juli vorgesehen.

Streckenplan Dombühl - Rothenburg (Nordpfeil beachten)

Nordpfeil