Knittelsbach bekommt seinen "Bahnhof" -

 Einweihung der Haltestelle im Jahr 1912

Den Zeitungsartikel stellte freundlicherweise Herr Adi Lober aus Dinkelsbühl-Neustädtlein zur Verfügung. Herzlichen Dank dafür. 

Nach der Eröffnung 1876 des Abschnittes von Nördlingen bis Dinkelsbühl verkehrten hier täglich 4 Züge hin und zurück. Die Fahrtzeit betrug 1 Stunde 35 Minuten. Später kamen zu den 4 Stationen (Wallerstein, Marktoffingen, Fremdingen und Wilburgstetten) noch 3 Haltestellen hinzu, nämlich Bühlingen, Rühlingstetten (1901) und zuletzt Knittelsbach. (Quelle: August Gabler "Alt-Dinkelsbühl")

Eine Bilderausstellung mit den auf dieser Seite gezeigten Bildern war zum Hundertjährigen im Rathaus Wilburgstetten von Juni bis August 2012 aufgebaut.

Zeitungstext Einweihung Knittelsbach 1912

Sogar an Hunde war bei der Einrichtung der Haltestelle    Knittelsbach gedacht worden!

 

 

 

 

 

 

 

 

Einweihung Haltestelle Knittelsbach 1912

Bis es zur Errichtung der Haltestelle kam, war wie auch heute noch üblich, die Kommunalpolitik gefordert. Das nachfolgende Schreiben zeigt, dass auch damals die Interessensvertreter geschickt ihre Fäden zogen.

Im Anschluss an die Kopie des Originalschreibens finden Sie das Transskript für Leser, die der Südderlinschrift nicht mächtig sind. Vielen Dank an die Helfer von Herrn Adi Lober, die das Transskribt erstellt haben.

 

Brief von 1910

 

 

Knittelsbach den 4. Mai 1910

 

An die kgl. Eisenbahndirektion

                 Würzburg

 

                 Betreff

 

Errichtung einer Haltestelle

bei Knittelsbach

 

Am vergangenen Sonntag den 1. Mai in vorgerückter Nachtstunde, kam in der Küffnerschen Wirtschaft in Neustädtlein die Rede auf die Errichtung einer Haltestelle bei Knittelsbach..

Der Herr Bürgermeister Landauer, soll wie 3 erwachsene Männer von Knittelsbach mitteilten, angegeben haben, er sei bereits von den Eisenbahnbehörden zweimal über die Errichtung einer Haltestelle zur Berichterstattung aufgefordert worden.

Das eine Mal sei die Anfrage an ihn ergangen, ob ein Bedürfnis überhaupt vorhanden sei, das zweite Mal, ob die Kosten gedeckt werden. Er habe beide Male im verneinenden Sinne geantwortet. Die Unterzeichneten können kaum glauben, dass der Herr Bürgermeister wirklich in diesem Sinne sein Gutachten abgegeben hat. Denn bei pflichtgemäßer Berichterstattung müsste er bezeugen, dass nicht nur die Gemeinde Knittelsbach, sondern auch die Gemeinden Diederstetten und Mönchsroth die Errichtung einer Haltestelle lebhaft wünschen und dass sich auch eine Anzahl Privatleute bereit erklärt hat die Kosten zu decken.

Sollte der Herr Bürgermeister diese oben erwähnten Fragen wirklich beantwortet haben, so müssten die Unterzeichneten gegen eine derartige Berichterstattung nachdrücklich protestieren, und zum Beweis der Gegebenheit auf die bereits eingereichten Eingaben und die in Nördlingen geführten Verhandlungen hinweisen.

Wir könnten uns dann diese Art der Berichterstattung nur dadurch erklären, dass der Herr Bürgermeister der nicht in Knittelsbach, sondern in Neustädtlein wohnt und darum allerdings kein persönliches Interesse an der Haltestelle hat, nur von seinem eigenen lokalen Gesichtspunkt aus die Sache behandelt, den Standpunkt der Knittelsbacher und der übrigen Gemeinden zu vertreten nicht für nötig findet.

Unter diesen Umständen bitten die Unterzeichneten aufs dringlichste, die Errichtung einer Haltestelle bei Knittelsbach in tunlichster Bälde anordnen zu wollen. Alle Anfragen und Verhandlungen aber nicht mehr an das Bürgermeisteramt Knittelsbach, sondern an den Mühlenbesitzer August Reuter auf der Walkmühle berichten zu wollen oder falls dieser Weg nicht beschreitbar wäre, Herrn Bürgermeister Landauer zu veranlassen, dass er die Interessenten über die ihn ergehenden Anfragen einvernimmt und deren Antworten protokollarisch aufnimmt und mit möglichster Beschleunigung zur Kenntnis der hohen Behörden bringt.

 

                                                                                     August Reuter

 

                                                                                         Johann Schock

Am Bahnübergang der B 25 - früher Staatsstraße - nordwestlich gegenüber vom "Hennahof" (eigentlich Walkhof) war beim Bau der Bahnstrecke 1876 ein Bahnwärterhaus errichtet worden. Wie August Gabler in Heft Nr. 4 "Alt-Dinkelsbühl" im Dezember 1977  beschrieb, war dies das Wärterhaus Nr. 7 aus Richtung Nördlingen gesehen, welches etwa 1903 (Quelle: Pfarrbrief Wilburgstetten) abgebrochen wurde. Bald darauf ereignete sich hier ein schweres Unglück: Ein Bauer aus Frankenhofen, der auf seinem Pferdefuhrwerk eingeschlafen war, wurde vom Zug erfasst und getötet. Die Pferde konnten sich losreißen und blieben heil.

An schienengleichen Bahnübergängen (Staatsstraßen, Bezirksstraßen und unterhaltenen Fahrwegen) wurden solche Wärterhäuser errichtet. Ein solches Haus kostete beim Bau der Bahnlinie 1876 im Durchschnitt 2000 Gulden. Man baute die Häuser in zwei Typen, ohne und mit Anbau.

Ein Wärterhaus ohne Anbau enthielt im Erdgeschoß: 1 Zimmer zu 17,10 qm gegen den Bahnkörper, 1 Fenster i.d. Giebelseite, je 1 Fenster in der Längsseiten; 1 Küche zu 6,49 qm auf der Rückseite, 1 Fenster i. d. Längsseite; 1 Vorplatz 3,40 qm; Im Obergeschoß (Kniestock): 1 Zimmer zu 17,10 qm; 1 Wohnkammer zu 6,40 qm;

Ein Wärterhaus mit Anbau enthielt in diesem zusätzlich im Erdgeschoß: 1 Kammer zu 3,40 qm; 1 Abort 2,10 qm.

Die Wohnfläche betrug also je nach Ausführung ca. 50-57 qm. Der Hauptbau war unterkellert (2 gewölbte Kellerräume zu 9,04 qm und 4,56 qm). Die Häuschen waren aus Klinkern erbaut und unverputzt.

 

 

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