Andreas Tscharn - Eisenbahnexperte - bereiste 1984 unsere Strecke und dokumentierte den Personenzugverkehr in einmaligen Aufnahmen im Jahr vor der Einstellung (copyright by Andreas Tscharn)

Hier sein Reisebericht von 1984:

"Hallo, Freunde der Eisenbahn,

der 19.06.1984 war ein merkwürdiger Tag. An sich war die Sache ordentlich eingefädelt. Mit dem Tramper-Monats-Ticket im Nachtschnellzug kommend wollte ich in Plattling aussteigen und nach Zwiesel fahren, auf der Jagd nach roten 211.

Als ich in meinem 6-er Abteil vom Anfahren des Zuges erwachte, zog wie zum Hohn gerade das Schild von Plattling an meinem Fenster vorbei. Also musste ich bis Passau fahren. Aber irgendwie war da das Wetter merkwürdig bis mies. Und bei unklarem Wetter in den Bayrischen Wald? Lieber nicht.

Also entschloss ich mich, weiträumig dem schlechten Wetter zu entkommen und Richtung Stuttgart/Neckar zu fahren. Zu meiner Freude wurde plötzlich hinter Nürnberg das Wetter richtig gut. Und so überlegte ich mich kurzfristig, der Strecke Dombühl-Nördlingen mit ihren Bayrischen Formsignalen einen Besuch abzustatten. Zwar fuhr da erst mittags der erste Zug ab Dombühl, aber man konnte ja an der Hauptbahn - damals unmittelbar vor der Umstellung auf den elektrischen Betrieb stehend - ein paar Bilder machen.

Wie sich dann herausstellte, war das ein guter Entschluss. Doch seht selbst.

Zunächst für die Statistik-Freunde:
Die 54,12 Km lange Strecke Dombühl-Nördlingen wurde in drei Abschnitten eröffnet, und zwar
Dombühl - Feuchtwangen am 15.04.1876,
Feuchtwangen - Dinkelsbühl am 01.06.1881 und
Dinkelsbühl - Nördlingen am 02.07.1876.
Der Personenverkehr endete am 01.06.1985.


Die ersten drei Bilder zeigen, was die Hauptbahn im Bahnhof Dombühl vormittags bot:

Dombühl 1984

218 207 + 218 als D 855, daneben der für die Elektrifizierung gebrauchte 702 150

Dombühl 1984

Zugkreuzung eines durchfahrenden Militär-Güterzuges mit 215 060, daneben stehend 215 049 mit einer weiteren (verdeckten) 215 und wieder 702 150

Dombühl 1984

Auch 614 waren unterwegs, wie hier 614 039 + 914 020 + 614 040 als E 3074

Dombühl 1984

Zwischenzeitlich hatte ich mich in einer Gaststätte in Bahnhofsnähe gestärkt (was morgens gegen 11.00 Uhr nur mit viel Überredungskunst und Vorbestellung möglich war), so dass bei meiner Rückkehr schon 515 008 als 6147 Richtung Nördlingen auf dem äußersten Gleis bereit gestellt war, als 218 302 als E 3071 einfuhr und in der Gegenrichtung ein Güterzug stand.

Feuchtwangen 1984

Nun ging es also mit dem 515 008 als 6147 Richtung Nördlingen. Ich wollte doch endlich ein Bayerisches Formsignal sehen. An zwei Unterwegsbahnhöfen konnte ich mal herausspringen, aber das Licht kam jedesmal von der falschen Seite. 

Feuchtwangen - immerhin mit Signal im Hintergrund und beladendem Bahnpersonal im Vordergrund) und ... 

Schopfloch 1984 - 6147

...Schopfloch

 

In Dinkelsbühl gab es einen längeren planmäßigen Aufenthalt von ungefähr einer Stunde. Genug Zeit zum Einkaufen und um an das südliche Einfahrsignal zu laufen. Welch ein Anblick dieses besonders hoch geratenen Exemplars. Wie gerne hätte ich hier den 515 bei der Ausfahrt und den Gegenzug abgelichtet. Aber dann hätte ich die Weiterfahrt verpasst.

Dinkelsbühl 1984



Dann doch zurück in den Bahnhof, um die dann folgende Kreuzung abzulichten: 515 008 als 6147 und als Gegenzug 515 011 als 6144.



Dinkelsbühl 1984 - 6147 u. 6144

Letzterer war mir mit den vielen Fahrgästen und dem Ladegeschäft ein separates Bild wert.

Dinkelsbühl 1984 - 515011 - 6144

Weiter ging es Richtung Nördlingen. Unterwegs stellte ich fest, dass nachmittags der Bahnhof von Fremdingen gut im Licht lag und schön auszusehen schien. Also machte ich zur Überbrückung ein paar Bilder in Nördlingen (u.a blaue 110, 194, ...), um später nach Fremdingen zurückzufahren.

Fremdingen 1984 - 515008 - 6146 - 726

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Fremdingen mit 515 008 als 6146 stellte ich erfreut fest, dass dort der Schienenprüfzug stand: Also ließ ich eilig mein Gepäck auf dem Bahnsteig stehen
und sprintete zur Ausfahrt,

Fremdingen 1984 -515008  - 726

um dieses Bild machen zu können.

Der nachsichtige und freundliche Bahnhofsbeamte wies mich auf den in Kürze kommenden Güterzug hin. Endlich hatte ich die Gelegenheit, ein Bayrisches Formsignal in Hp2-Stellung abzulichten:  

212 018 nördlich des Bahnhofs und...



Fremdingen  1984 - 212018

bei der Vorbeifahrt am Signal in Hp2-Stellung: Welch ein Anblick!

Fremdingen 1984 - 212018

Der nächste Personenzug aus Nördlingen war lokbespannt: 212 129 als 6158; der Güterzug steht noch immer im Bahnhof.

Fremdingen 1984 - 212129 - 6158

Und im schon einsetzenden warmen Abendlicht verließ ich mit 515 011 als 6159 diesen schönen Bahnhof und diese wunderbare Strecke Richtung Donauwörth.

Fremdingen 1984 - 515011 - 6159

Welch ein mieser Anfang und welch ein toller Schluss eines für mich ereignisreichen Tages. Heute bin ich froh, damals im Nachtschnellzug verschlafen zu haben: Gelegenheit für Bilder aus dem Bayerischen Wald hatte ich auch später noch genug."

Dem Eisenbahnfreund Herrn Andreas Tscharn möchte ich hiermit meinen Dank aussprechen für diese einmalige Dokumentation zur Geschichte unserer Eisenbahnstrecke und dass ich diese Bilder auf meiner Internetseite veröffentlichen durfte.

 

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